Ingenieurbüro Leibl
office@ib-leibl.at

telefonisch für Sie erreichbar unter:
+43 1 890 69 59

Ingenieurbüros
IMBA Europe Summit 2015

Auch dieses Jahr habe ich wieder die Gelegenheit wahrgenommen, beim 2. IMBA-Europe Summit in Ramatuelle in Frankreich Erfahrungen im Zusammenhang mit nachhaltiger Mountainbike Infrastruktur international auszutauschen (Teilnehmer aus AUT, BE, CH, CZ, DE, DK, ES, FR, IE, IT, NL, NO, SE, SI, PL, PT, UK, USA). Vom 18. bis zum 20.4.2015 konnte ich wieder wertvolle neue Kontakte knüpfen, mit denen die zahlreichen Vorträge und Präsentationen gleich diskutiert wurden. Die interessantesten Inputs möchte ich hier inhaltlich kurz wiedergeben (DI Hubert Leibl).

internationaler Gedankenaustausch zu nachhaltigen Mountainbike Wegenetzen

IMBA Europe Summit 2015

21. April 2015

zukünftige Entwicklung von eMTB in Europa

Jonathan Sweet (D) Bosch eBike Systeme

Jonathan Sweet blickt auf eine beachtliche Karriere in der Fahrradindustrie zurück (Winora Group, Magura) und ist nunmehr Global Sales Manager bei Bosch Automotive Electronics Sparte eBike Systeme. Im Zuge des IMBA Europe Summits gab der in Deutschland aufgewachsene Waliser einen kurzen Einblick in die zukünftigen Entwicklung des eBike Marktes aus Sicht der Industrie.

Bosch und Elektromobilität

Die Robert Bosch GmbH beschäftigt weltweit rund 300.000 Menschen – 150.000 davon in Deutschland – und erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 50 Milliarden Euro. Für den Automobilzulieferer und Hersteller elektr(on)ischer Gebrauchsgüter stellt der Bereich Elektromobilität einen wichtigen Wachstumsmarkt dar. Der Schwerpunkt der Firma liegt dabei interessanterweise im Bereich der Pedelecs. Das ist damit zu erklären, dass der Pedelec-Markt zwar klein ist, aber derzeit den einzigen etablierten Markt im Segment der eMobilität darstellt und zudem schnell wächst. Er bietet daher die Möglichkeit Verfahren und Systeme zu erproben und weitere Elektromobilitätsmärkte im Sinne des Bottom-up-Prinzips zu etablieren.

eBike vs. Pedelec

Als Pedelecs werden Räder mit eletronischem Zusatzantrieb verstanden, welcher aber nur aktiv wird, wenn in die Pedale getreten wird. In der EU sind Pedelecs als Fahrräder klassifiziert, wobei die elektronische Antriebsleistung auf maximal 250 W beschränkt ist und die Unterstützung ab 25 km/h abgeregelt wird. Auch durchdrehende Räder werden durch Abregeln verhindert. Bosch arbeitet aktiv daran nachträgliche Tuningmaßnahmen durch entsprechende Bauweise und Programmierung, sowie Aufklärungsarbeit bzw. Garantiebestimmungen zu unterbinden.

Im Gegensatz dazu werden unter eBikes Fahrräder mit einem elektronischen Zusatzantrieb verstanden, der auch unabhängig vom Pedalieren aktiviert werden kann, wobei von Bosch der Begriff eBike synonym für beide Systeme verwendet wird. Bosch bietet ausschließlich Antriebssysteme für Pedelecs und beliefert in diesem Segment alle namhaften Hersteller außer Specialized.

Marktentwicklung bei Pedelecs

MTB stellen unter den verkauften eBikes in Europa einen kleinen Anteil dar, welcher allerdings die stärksten Wachstumsraten aufweist. Das größte Segment unter den eMTB nehmen normale Hardtails und Fullies im mittleren Federwegbereich ein. Die sehr sportiven eMTB im All Mountain bzw. Enduro Segment haben einen großen Marketingwert aber geringen Anteil an den Verkaufszahlen. Downhill eBikes werden kaum angeboten.

Das Hauptkundensegment für eBikes hat sich in den letzten 15 Jahren von 60+ zu 30+ erweitert. Kaufgründe für eMTB sind bei den 50+ und 60+ das Aussehen und das damit verbundene Image von MTB, bei den 30+ und 40+ die Fahrleistungen und bei den Jüngeren der erweiterte Spaßfaktor durch den zusätzlichen Antrieb.

Ein Pedelec kostet im Durchschnitt zwischen 2.000 und 2.500 Euro. 2014 wurden in Deutschland 500.000 Pedelecs verkauft was eine Verdopplung der Verkaufszahlen innerhalb von zwei Jahren bedeutet (2012: 250.000).

Was bringt die Zukunft?

Für Bosch stellen eMTB eine logische Weiterentwicklung und Erweiterung des Sports als Konsequenz des technologischen Fortschritts dar. Neben den bisherigen sehr sportlichen Fahrern wird nun auch die neue Gruppe der eher durchschnittlichen Fahrer erreicht. Zusätzlich zu neuen Zielgruppen ergeben sich auch ganz neue Aspekte des Mountainbike Fahrens. So promoted Bosch aktiv das Thema „uphill-flow“ als neue Sparte, da es mit dem eMTB zumindest theoretisch möglich ist  auch bergauf mit bis zu 25 km/h unterwegs zu sein.

Bosch-Video

Bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung meint Bosch, dass die Nutzung von eBikes in der EU von Sportlern nicht mehr als „Schummeln“ verstanden wird. Landbesitzer und Wanderer würden nicht zwischen MTB und eMTB unterscheiden genauso wie die Zugangsproblematik in vielen europäischen Ländern beide betrifft. Ausschlaggebend wäre immer das respektvolle Miteinander. Bosch ist bereit entsprechende Bemühungen in diese Richtung aktiv zu unterstützen.

Jonathan Sweet, Global Sales Manager Bosch Automotive Electronics Sparte eBike Systems

Jonathan Sweet, Global Sales Manager Bosch Automotive Electronics Sparte eBike Systems

Mountain bike development in Northumberland (UK)

Alex MacLennan, Recreation and Public Affairs Manager Forestry Commission (UK)

Alex MacLennan ist Recreation and Public Affairs Manager der britischen Forestry Commission (FC). Diese hat erkannt, dass Mountainbiken eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Großbritannien ist und die Tourismuswirtschaft in ländlichen Regionen daher maßgeblich davon abhängt, im Wald Radfahren zu können. Durch die Einbindung von Freiwilligen, der Zusammenarbeit mit verschiedenen Geldgebern und Forstleuten ist es ihm gelungen einige der besten Trail-Center im Norden Englands zu errichten.

Northern Lands Projekt

Im Zuge des Northern Lands Projekts hat das „Department for Environment Food & Rural Affairs“ (DEFRA) rund 650.000 Euro in sechs Projekte im Norden Englands investiert, welche durch zusätzliche 400.000 Euro aus Töpfen von Landschaftsschutzorganisationen und Bezirksverwaltungen ergänzt wurden. Zwei Projekte hat Alex MacLennan kurz beschrieben.

Kielder Water & Forest Park

Der Kielder Water & Forest Park liegt an der Grenze zu Schottland in der Verwaltungsregion Northumberland. Radfahren hat sich dort als eines der Kernfelder erwiesen um Ganzjahrestourismus zu entwickeln. Es werden jährlich 465.000 Besucher gezählt, davon 84.000 Radfahrer. Das MTB-Trail-Netzwerk im Park hat am bisherigen Erfolg maßgeblichen Anteil.

Im Zuge des Northern Lands Projeks wurde das bestehende MTB-Trail-Netzwerk im Park überarbeitet. Die Arbeiten wurden sowohl von Professionisten als auch von Freiwilligen (Kielder Trail Reavers, 43 Personen) durchgehführt, die in 13 Monaten 1.148 Stunden leisteten. Die Groborganisation wurde von der FC gestellt. Um den Freiwilligen die Arbeit zu erleichtern wurde außerdem in einen Motorkarren investiert. Darüber hinaus wurden an Schlüsselstellen Materialdepots angelegt.

Die Investitionssumme betrug 150.000 Euro, wobei Teile neben der DEFRA auch von der FC, dem Betreiber einer transnationalen Fahrradroute und Freiwilligen aufgebracht wurden. Hier zeigte sich die Wichtigkeit der Zusammenarbeit, da die FC schlussendlich nur 16 % der Kosten tragen musste.

Hamsterley Forest

Der Hamsteley Forest liegt in der Verwaltungsregion Durham und grenzt im Norden an den Kielder Forest & Water Park. Es werden jährlich 220.000 Besucher gezählt davon 85.000 Radfahrer.

Im Hamsterley Forest war es das Ziel einen nationalen Anbieter von Baumklettergärten zu gewinnen, was durch Investitionen in die übrige Infrastruktur, wie MTB-Trails, eine Brücke (Planung durch die FC) und einen Multi-User-Trail erreicht werden sollte. Bei der Anlage der Trails wurde wieder auf eine Mischung von Professionisten und Freiwilligen (Hamsterley Trail Blazers, 55 Personen) zurückgegriffen, wobei letztere 1.300 Arbeitsstunden in 13 Monaten leisteten. Sie wurden dabei vom lokalen Ranger der FC unterstützt, der Werkzeug und Material zu den Baustellen brachte.

Das Gesamtbudget betrug 340.000 Euro und wurde wieder durch die DEFRA sowie die unterschiedlichsten Partner aufgestellt. Unter anderem brachten auch die Mountainbiker 28.000 Euro durch verschiedene Events und Spenden auf. Trotz der relativ kostspieligen Brücke betrug der Anteil der FC an den Kosten nur 39%.

Schlussfolgerungen für die FC

Es ist wichtig…

… noch vor dem Beginn von Bauarbeiten eine fundierte Planung der Trail-Korridore in Abstimmung mit den zuständigen Behörden anzufertigen und die erforderlichen Genehmigungen einzuholen.

… die enge Zusammenarbeit mit Freiwilligengruppen zu suchen und mit ihnen die Trail-Korridore noch vor dem Aufstellen der Finanzierung abzustimmen. Dadurch kann in weiterer Folge ein reibungsloser Ablauf und auch eine entsprechende Beitragsleistung durch die Mountainbiker erreicht werden.

… das Projekt in Teilabschnitte aufzuteilen und im Vorhinein festzulegen, welche Abschnitte mit Beteiligung von Freiwilligen errichtet werden und welche nicht.

… die stetige Weiterentwicklung des Trail-Netzwerks einzuplanen.

Trailbau im Kielder Water & Forest Park (Foto: Forestry Commission UK)

Trailbau im Kielder Water & Forest Park (Foto: Forestry Commission UK)

Planung und Bereitstellung von Trail-Netzwerken im städtischen Nahbereich

Tomas Kvasnicka (CZ) singltrek s.r.o.

Tomas Kvasnicka war der Gründer und Erbauer des ersten MTB-Trail-Centers auf dem Europäischen Kontinent in Pod Smrkem in der Tschechischen Republik. Seine Trails sind besonders für ihre Einfachheit und Wartungsarmut bekannt, was aber auch an einem nicht unerheblichen Aufwand in der Planung und Herstellung liegt. Momentan ist er mit der Errichtung dreier kleinerer Trail-Netzwerke im unmittelbaren Umfeld dreier tschechischer Kleinstädte befasst. In seinem Vortrag gab er einen kurzen Einblick in seine Erfahrungen.

Gründe für Trails im städtischen Nahbereich

Aus gesundheitspolitischer Sicht bieten MTB-Trail-Netzwerke im unmittelbaren Nahbereich von Gemeinden, Einwohnern jedes Geschlechts und Alters die Möglichkeit aktiv an ihrer Fitness zu arbeiten, und das jeden Nachmittag. Durch die Nähe zur Siedlung wird auch eine entsprechende Auslastung gewährleistet, was Investitionen noch besser rechtfertigt. Solche erfolgreichen Netzwerke können helfen die generelle Akzeptanz von Mountainbikern zu verbessern. Gerade aber im Umfeld von Siedlungsräumen ist es wichtig die Erfordernisse von Erholung und Naturschutz besonders gut abzuwägen, was eine entsprechend sorgfältige Planung voraussetzt.

Designgrundsätze

Um eine breite Masse anzusprechen sollte das Trail-Netzwerk analog zu Schipisten zu 45 % aus blauen, zu 45 % aus roten und zu 10 % aus schwarzen Strecken bestehen. Die Wege sollten idealerweise so gewählt bzw. angelegt werden, dass der Anspruch mit der Geschwindigkeit steigt und sie somit allen Könnensstufen genügen. Das Netzwerk sollte darüber hinaus so geplant werden, dass verschiedene Variationen möglich sind um zum Wiederkommen zu motivieren.

Risikomanagement

Um Haftungsansprüche von Nutzern hintanzuhalten ist es wichtig, dass diese über mögliche Gefahrenstellen informiert werden (z.B. Beschilderung), um sicherzustellen, dass diese in weiterer Folge bewusste Entscheidungen treffen. Außerdem ist es wichtig die Wege kontinuierlich zu überwachen und zu warten. Dazu ist es essentiell im Vorfeld realistische Überwachungs- und Wartungsstandards festzulegen und diese dann in weiterer Folge auch zu erfüllen. In diesem Zusammenhang kommt der Dokumentation eine besondere Bedeutung zu.

Finanzierung

Trailbau-Projekte sollten in handhabbare, finanzierbare und aufeinander aufbauende Abschnitte unterteilt werden. Als Finanzierungsquellen nennt er in erster Linie Gemeindebudgets und vergleicht MTB-Trails mit öffentlichen Schwimmbädern und Sportplätzen. Aber auch Förderungen, Spenden und Crowdfunding sind mögliche Quellen. Eintrittsgelder haben sich als ungeeignet bzw. kontraproduktiv erwiesen.

Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit im Zusammenhang mit Trailbau-Projekten ist für die spätere Akzeptanz solcher Anlagen ungeheuer wichtig. Es ist aber ausschlaggebend die Freiwilligen richtig einzusetzen um einerseits das gewünschte Ergebnis zu erreichen und sich andererseits deren längerfristige Mitarbeit zu sichern. Freiwillige eigenen sich zum Nachweis einer generellen Nachfrage, für das Vorbereiten von Trail-Trassen, für den Feinschliff an den Trails und für ein informelles Monitoring (ohne Haftungsübergang). Die Bereiche Projektplanung, das Traildesign und grobe Erdarbeiten sieht Tomas Kvasnicka eher als Aufgabe von Professionisten.

v.l.n.r.: Thomas Larsen Schmidt (Dänischer Radsportverband), Hubert Leibl, Mike Van Abel (Präsident IMBA USA), Harold Veldkamp (Präsident IMBA Europe, Vizepräsident Niederländischer Radsportverband)

v.l.n.r.: Thomas Larsen Schmidt (Dänischer Radsportverband), Hubert Leibl, Mike Van Abel (Präsident IMBA USA), Harold Veldkamp (Präsident IMBA Europe, Vizepräsident Niederländischer Radsportverband)